recreo

 

Ensemble "La Douchaine"

 

Barbara Hernández: Gesang · Blockflöte

Tatjana Gräfe: Blockflöte

Ricarda Hornych: Laute, Theorbe

Uwe Oltmanns: Viola da gamba

Als Gast: David Kosviner, Percussion


Hörbeispiele
Rezensionen
Werke

 


Best.Nr. CCD 273
EAN 4028183002730

Zu diesem Titel:

Mit Spaniens Aufstieg zum größten Imperium der Christenheit und seinem unvermeidlichen Niedergang gingen das Erblühen der musikalischen Kunst an Spaniens Höfen zu internationaler Anerkennung und der spätere Rückfall in zeitweilige Bedeutungslosigkeit Hand in Hand. Dies erscheint nur natürlich, ist doch Kunst damals noch stärker als heute abhängig gewesen von der Gunst freigiebiger Gönner und Förderer an den Höfen und Kirchen, die Musiker als Interpreten, Komponisten und Lehrer in ihre Dienste nahmen.

Das Ensemble für Alte Musik La Douchaine wurde 1997 gegründet. Die vier Musiker lernten sich während ihrer gemeinsamen Studienzeit an den Musikhochschulen in Hannover und Hamburg kennen. Der Name des Ensembles beschreibt ein mittelalterliches Blasinstrument mit zartem, lieblichem Klang, das heute nur noch aus literarischen Quellen, wie dem Poem „Les Échecs Amoureux“ bekannt ist. In zahlreichen Konzerten im In- und Ausland präsentieren die Musiker von „La Douchaine“ ihr umfangreiches Repertoire, das sie auf historischen Instrumenten spielen. Im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens steht dabei die Musik der Renaissance und des Barock. 2004 wurde La Douchaine mit dem “Andrés-Segovia-Preis” für Kammermusik in Santiago de Compostela, Spanien, ausgezeichnet.

Werke:
1 Follía (1650) (Andrea Falconiero)

2 La rosa que reyna Juan de Navas (1659-1709),

3 Fantasia sobre el „Canto del Caballero“ (Bartolomé de Selma y Salaverde ca.1580-1638)

Aus: “Cancionero de Palacio de los reyes Católicos”:

4 Todos los bienes del mundo (Juan de Encina 1468-1529)

5 Con amores, mi madre (Juan de Anchieta 1462-1523)

6 Danza Alta (Francisco de la Torre, um 1500)

7 Sonata a 3 (Gian Paolo Cima, um 1570-?)

8 Lamentación tercera del miércoles (1723) (Francisco Viñas)

9 L‘Arpeggiata (Giovanni Geronimo Kapsberger 1580-1651)

10 Kapsberger (G. G. Kapsberger)

11 Canzon tercera a Soprano solo (B. de Selma y Salaverde)

12 Canzon a tre (B. de Selma y Salaverde)

13 Bitayna diridanya (Anónimo 17.Jhd.)

14-17 Sonata B-Dur (Francisco José de Castro 1695)

18 Chiacona (Tarquinio Merula, um 1590-1665)

Hörbeispiele (mp3):

1 Follía, 2 La rosa que reyna, 3 Fantasia sobre el „Canto del Caballero“,

Aus: “Cancionero de Palacio de los reyes Católicos”:

4 Todos los bienes del mundo, 5 Con amores, 6 Danza Alta, 7 Sonata a 3, 8 Lamentación, 9 L‘Arpeggiata, 10 Kapsberger, 11 Canzon tercera a Soprano solo, 12 Canzon a tre, 13 Bitayna diridanya, Sonata B-Dur: 14 Preludio. Adagio, 15 Allemanda. Presto, 16 Tempo di Sarabanda. Allegro, 17 Tempo di Gavotta. Presto, 18 Chiacona

Rezensionen:
(Reinhard Kriechbaum in concerto 2/3 2007)

Ich erhole mich!

Recreo. Falconiero, Navas, Selma y Salaverde, Encina, Anchieta, de la Torre, Cima, Vinas, Kapsberger, de Castro, Merula u.a. La Douchaine. Cavalli Records (273) ©2005 (Vertrieb Note 1) CD»

Der Rahmen, das sind zwei Gassenhauer: Am Beginn »Follia«-Variationen, in der Version von Andrea Falconiero (1650) als pfiffige >Gruppenimprovisation< für zwei Blockflöten und Bass. Am Ende, ebenfalls für zwei rege wetteifernde Blockflöten, eine virtuose Chiacona von Tarquinio Merula. Die neue CD des Ensembles La Douchaine um die Sopranistin und Blockflötistin Barbara Hernändez listet aber nicht nur Effektvolles auf. In einer Zeitwanderung, beginnend in der Ära der katholischen Könige um 1500 bis herauf ins frühe 18. Jahrhundert, wird spanische Musik erschlossen. Da ja in Neapel auch ein spanischer Vizekönig saß, schließt das italienische Namen mit ein. Der Titel dieser Kompilation - »recreo« - weist darauf hin, dass es keine Zusammenstellung von didaktischer oder enzyklopädischer Ausrichtung ist. Einige Fundstücke nur: »Kapsberger« heißt eine Chaconne von eben diesem, und wer Prätentiöses mutmaßt, liegt richtig: Ein Stück für Chitarrone und zusätzliche Bassstimme (Gambe), das ist schon von der Besetzung (nicht nur im Spanien der Zeit) außergewöhnlich und spiegelt die Experimentierlust von Giovanni Girolamo Kapsberger. »Lamentaciön tercera del miercoles« (1723) von Francisco Vinas lässt in den Buchstaben des hebräischen Alphabets, wie sie die Lamentationen-Strophen gemeinhin einleiten, die Singstimme mit der Blockflöte reizvoll und gar nicht klagend dialogisieren. Eine ganz andere musikalische Welt: einige Stücke aus dem Cancionero de Palacio de los reyes Catölicos: Ein Wiegenlied wie »Con amores, mi madre« im Fünfvierteltakt konnte wohl wirklich nur im Spanien dieser Zeit entstehen, da die Erinnerung an jüdische und maurische Musik noch hellwach war. In der Zusammenstellung wechseln Vokal- und Instrumentalnummern, einige Solostücke für Laute kitzeln das Ohr. »Ich erhole mich!« ist eben das schön und unpädagogisch eingelöste Motto.


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