Franz Schubert

Abendröte · Liederzyklus (Friedrich Schlegel)

Geistliche Lieder · Hymnen an die Nacht (Novalis)

Markus Schäfer, Tenor

Christian de Bruyn, Hammerklavier


Hörbeispiele
Rezensionen
Werke


Best.Nr. CCD 323
EAN 4028183003232

Zu diesem Titel:

Die Jahre 1819/1820, in denen die meisten Lieder dieser Aufnahme komponiert wurden, fallen  in eine Zeit, die in der Schubert-Forschung als Jahre der Krise, des schöpferischen und biografischen Neubeginns gelten. Dass Friedrich v. Schlegels 1802 erschienene „Abendröte“ ein Zyklus von Gedichten ist, hat Schubert bei Beginn seiner ersten drei Kompositionen daraus  nicht bemerkt. Als er dann – vermutlich im März 1820 – zwei Bändchen in die Hände bekam, die alle von ihm vertonten Schlegelschen Gedichte enthalten, bemerkte er den zyklischen Zusammenhang der „Abendröte“. Er muss den Plan, daraus einen musikalischen Zyklus zu machen, zumindest bedacht haben, denn er komponierte daraufhin der Reihe nach weitere acht der 22 Gedichte.

Werke:
Lieder nach Friedrich v. Schlegel:

Fragmentarischer Liederzyklus (1819-22) nach dem Gedichtzyklus „Abendröte“

Aus dem ersten Teil:

1 Tiefer sinket schon die Sonne („Abendröte“) D 690

2 Die Berge D 634 op. 57, 2

3 Die Vögel D 691

4 Der Knabe D 692

5 Der Fluss D 693

6 Die Rose D 745 op. 73

7 Der Schmetterling D 633 op. 57, 1

Aus dem zweiten Teil:

8 Der Wanderer D 649 (Febr. 1819) op. 65, 2

9 Das Mädchen D 652 (Febr. 1819)

10 Die Sterne D 684 (1820?)

11 Die Gebüsche D 646 (Jan. 1819)

12 Im Walde D 708 (1820)

13 Der Schiffer D 694 (1820)

14 Blanka D 631 (1818)

15 Vom Mitleiden Mariä D 632 (1818)

16 Fülle der Liebe D 854 (1825)

Lieder nach Novalis:

Aus den „Geistlichen Liedern“ (erschienen 1802):

17 Nr. VII – Hymne („Abendmahlshymne) D 659

18 Nr. V D 660

19 Nr. VI D 661

20 Nr. IX D 662

21 Nr. XV D 658

Aus den „Hymnen an die Nacht“ (erschienen 1800):

22 Nachthymne D 687

Hörbeispiele (mp3):
1 Tiefer sinket schon die Sonne, 2 Die Berge, 3 Die Vögel, 4 Der Knabe,

5 Der Fluss, 6 Die Rose, 7 Der Schmetterling, 8 Der Wanderer, 9 Das Mädchen, 10 Die Sterne, 11 Die Gebüsche, 12 Im Walde, 13 Der Schiffer, 14 Blanka, 15 Vom Mitleiden Mariä, 16 Fülle der Liebe, 17 Nr. VII – Hymne („Abendmahlshymne) D 659, 18 Nr. V D 660, 19 Nr. VI D 661, 20 Nr. IX D 662, 21 Nr. XV D 658, 22 Nachthymne D 687

Rezensionen:

SCHUBERT IN NAHAUFNAHME (musik an sich-Reviews, 11/2005)

Näher als in diesen Liedern wird man dem Menschen, wie dem Komponisten Schubert (1797-1828) schwerlich kommen. Zwischen 1819 und 1822 entstand sowohl der fragmentarische Liederzyklus nach Friedrich von Schlegels Gedichtzyklus "Abendröte", als auch die Reihe der Geistlichen Lieder nach Texten von Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis. Während erstere ihren Trost in einer teils naiven, teils pantheistischen Naturbetrachtung finden, entwerfen letztere den Gedanken einer christlichen, jedoch nicht konfessionell oder kirchlich gebundenen Religion, die mit ihrer jenseitigen Hoffnung die diesseitigen Leiden erträglich macht. Die Suche hiernach trieb Schubert in jenen Jahren nicht allein aus privater Enttäuschung, sondern auch aufgrund der politischen Verhältnisse zu Zeiten der Restauration um. Die Auswahl der Texte ist also, wie auch sonst, keineswegs zufällig und offenbart schon aus sich heraus viel vom Innenleben des Komponisten. In der musikalischen Umsetzung zeigt Schubert sich einmal mehr als Meister des Details, der in der kleinen Form des Lieds ein ganzes Lebensdrama unterzubringen wusste. In der Gestaltung anspruchsvoller ist dabei der fragmentarische Liederzyklus, während Schubert den Geistlichen Liedern durch strophische Schlichtheit zu ernster Größe verhilft. Und auch, wenn Text und Bedeutungsgehalt dieser Werke uns heute nur noch schwer unmittelbar zu berühren vermögen, weil wir ungebrochenen Pathos allenfalls noch im Liebeslied ertragen, so kann man doch nicht umhin, die Stücke in ihrer musikalischen Erhabenheit und biographischen wie geschichtlichen Bedeutung zu bewundern. Dafür, dass dies gelingt, sorgen der Tenor Markus Schäfer und der Pianist Christian de Bruyn, Schäfer verleiht den Liedern auf Texte Schlegels eine fast bescheiden-naiv anmutende Aura bei lupenreiner Artikulation und Intonation. Gerade seine Zurückhaltung und das Sich-Besinnen auf die Feinheiten machen seinen Vortrag so spannend wie angenehm. Bei den Geistlichen Liedern und der Nachthymne auf Texte von Novalis lässt der Tenor dem gefühlvollen Ausdruck und der Emphase mehr Raum, jedoch ohne den schmalen Grat zum religiösen Kitsch zu überschreiten. So erweist sich Schäfer, der auch als Oratoriensänger vielfach von sich Reden gemacht hat, als ein engagierter Sachwalter des schubertschen Liederschaffens. Das eigentliche Wunder ereignet sich jedoch am Hammerklavier. Diesem entlockt Christian de Bruyn eine solche Vielfalt an Farben, dass man nur staunen kann. Wie so oft bei Schubert erhebt sich das Klavier weit über die Funktion des bloßen Begleitinstruments, hier aber wird es zu einem gleichberechtigten Ausdrucksmittel neben dem Gesang. De Bruyn umspielt, illustriert, betont und deutet den Text vollständig überzeugend.

 


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