Arno Raunig singt Kastratenarien

Concilium musicum Wien auf Originalinstrumenten

 

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Rezensionen
Werke

 


Best.Nr. CCD 333
EAN 4028183003331

Zu diesem Titel:

Mit dieser CD ist endlich ein langersehnter Herzenswunsch in Erfüllung gegangen: Eine Sammlung meiner Lieblingsarien, begleitet auf Originalinstrumenten vom Concilium musicum Wien. Die Mischung enthält einige der berühmtesten Kastratenarien. Seit 20 Jahren intensiv, seit meiner Knabenzeit (Wiener Sängerknaben) indirekt, befasse ich mich nun schon mit „Der Gesangskunst der Kastraten“ und der heute gebräuchlichen Countertenorstimme. Man kann die Stimmen der Kastraten – der barocken Sängerstars – heute  nur noch erahnen.

In meiner langjährigen Sopranistenkarriere habe ich eine Technik entwickelt, die meine Stimme vom Timbre eines „Counters“ abrücken lässt, um in die Nähe eines „Kastratenklanges“ zu gelangen. Die unzähligen Stimmbeschreibungen aus der Zeit von Farinelli und Co, (von silbriger Klarheit und Reinheit, von trompetenhaft metallischer Kraft bis zum süßesten, zartesten Pianissimo ist da die Rede), die Hörbeispiele des letzten Kastraten Alessandro Moreschi, lassen in meinen Ohren eine Klangvorstellung der Kastratenstimme entstehen, der ich mich mit eben dieser Technik anzunähern versuche. Weg vom „Countertenor“ – zum Sopranisten, zum „Kastraten“, zum „bel Canto“.

Werke:

Alessandro Stradella (1642 - 1682): 1 Pietà signore, Aria di chiesa; Johann Joseph Fux (1660 - 1741): 2 Ouverture C-Dur aus „Concentus musico-instrumentalis“;  Georg Friedrich Händel (1685-1759): 3 Frondi tenere, Rezitativ und 4 Ombra mai fu aus „Xerxes“; 5 Lascia ch’io pianga, aus „Rinaldo“; 6 Verdi prati, aus „Alcina“; Johann Joseph Fux: 7 Aus der Ouverture C-Dur: Aire; Christoph Willibald Gluck (1714 - 1787): 8 Che farò senza Euridice aus „Orfeo ed Euridice“; Johann Joseph Fux: 9 Aus der Ouverture C-Dur: Menuet; Johann Adolph Hasse (1699 - 1783): 10 Eja stellæ, Arie; 11 Torrente cresciuto aus „Siroe, re di Persia“; Johann Joseph Fux: 12 Aus der Ouverture C-Dur: Marche des Ecurieus; Wolfgang Amadé Mozart (1756 - 1791): 13 Se l’augellin sen fugge aus „La finta giardiniera“ KV 196; 14 Ma qual virtù aus „La Betulia liberata“ KV 118; 15 Parto: Nel gran cimento aus „Mitridate, Rè di Ponto” KV 87; Johann Joseph Fux: 16 Aus der Ouverture C-Dur: Aire de Volage;  Ignaz Joseph Pleyel (1757 - 1831): 17 Se ti consiglia amore aus „Ifigenia in Aulis”; Johann Joseph Fux 18 Aus der Ouverture C-Dur: L’inegalité; Gioachino Rossini (1792 - 1868) 19 Perché mai, Arie aus „Aureliano in Palmyra“.

Hörbeispiele (mp3):

Alessandro Stradella 1 Pietà signore; Georg Friedrich Händel: 3 Frondi tenere, Rezitativ und 4 Ombra mai fu; 5 Lascia ch’io pianga; 6 Verdi prati; Christoph Willibald Gluck: 8 Che farò senza Euridice; Johann Adolph Hasse: 10 Eja stellæ, Arie; 11 Torrente cresciuto; Wolfgang Amadé Mozart: 13 Se l’augellin sen fugge; 14 Ma qual virtù; 15 Parto: Nel gran cimento; Ignaz Joseph Pleyel: 17 Se ti consiglia amore; Gioachino Rossini: 19 Perché mai.

Rezensionen:

(Sieglinde Pfabigan in: „Der neue Merker“ 1/2007)

Arno Raunig singt Kastratenarien / Concilium musicum Wien auf Originalinstrumenten.

Das ist zweifellos die schönste CD, die bisher von Arno Raunig erschienen ist! Aufgenommen in einem speziellen Studio für Barockmusik in Bamberg (Cavalli-Records, Ludwigshöhe 4, D-96049 Bamberg, 2006), hören wir die wunderschöne, nach rund 20 Jahren internationaler Karriere, nun völlig ausgereifte Stimme des österreichischen „Countertenors“ in idealer Klangbalance, begleitet von nur 6 Instrumentalisten (2 Vl, Viola, Vcl, Kb, Cembalo), mit einem klassischen Kastratenprogramm. Ungewohnt Stradellas „Preghiera“, von Vertretern aller Stimmgattungen geliebt, hier mit keuschem, geradezu jungfräulichem Ton, in dieser Höhenlage somit die ideale „Kirchenarie“. In Händels „Ombra mai fu“ scheint tatsächlich beseelte Natur Klang geworden, aus der ruhigen Stimmführung Raunigs hört man gleichsam die beruhigende Wirkung des Baumschattens heraus. Ein ähnliches Wohlgefühl des in den „grünen Wiesen“ („Verdi prati“) aus „Alcina“ geborgenen Ruggiero (den die Zauberin nicht in Tier oder Pflanze verwandeln kann; Raunigs Paraderolle, die er in Zürich, Darmstadt und Wiesbaden insgesamt ca. 50 x sang und die sonst meist Mezzos vorbehalten bleibt) ertönt aus dieser getragenen Arie. Dazwischen Händels „Lascia ch’io panga“ aus „Rinaldo“, männlich gefasst, mit festem Ton. Ganz in sich gekehrt in seinem Schmerz ist Raunig als Glucks Orpheus, den er mit sattem Alt um den Verlust Eurydikes klagen lässt. In Hasses “Eja stelle“ kann der Sänger dann seine vokale Virtuosität entfalten, wobei die unheimliche Tragfähigkeit der Stimme staunen macht. Die Koloraturen perlen so in der Art, wie die Caballé sie perlen ließ. Die warme, volle Mittellage, die vollkommen beherrschten Intervallsprünge, kein Stemmen und Pressen in den Spitzentönen – eine reine Freude! Aus Hasses „Siroe, re di Persia“ singt Arno Raunig eine sehr bewegte Arie „Torrente cresciuto“, in der die organischen Crescendi bis zum (fast-)Aufschrei faszinieren, aber auch der bleibt wohltönend. 3 Mozart-Arien (“La finta giardiniera“, „Betulia liberata“, „Mitridate“) bestechen durch die Reinheit des Soprantimbres, das ganz ohne Schärfen erklingt. Der Endlos-Atem des Sängers ist ebenso Mozart-gerecht, das vokale Ebenmaß entspricht der berückenden Schönheit dieser Musik. Eine interessante Pleyel-Arie (aus“ Ifigenia in Aulis“, die im Sommer 2005 auf dem niederösterreichischen Heldenberg nahe dem Geburtsort des Komponisten mit Raunig als Ulysse aufgeführt wurde) verlangt genau die Beweglichkeit, die Raunigs Sopran mühelos zu Gebote steht. Die abschließende Rossini- Nummer (aus „Aureliano in Palmyra“), die einen trotz der starken rhythmischen Akzentuierung, so belkantesk dargeboten, einfach in Wohlklang einwiegt, schreit nach mehr…Es ist wirklich eine CD zum Wieder- und Wiederhören.

Die 6 kurzen Instrumental-Interludien (Ouverture in C-Dur von Johann Josef Fux) sind von gleicher musikalischer und interpretatorischer Qualität – so quasi angenehme Atempausen für einen Sänger, dem der Atem nicht so schnell ausgeht, wohl aber des öfteren dem Zuhörer beim Bestaunen dieser souveränen Gesangskunst.

Der musikalische Leiter der Aufnahme, Christoph Angerer, spielt auch die 1.Geige, Astrid Braunsperger, Christian Heller, Günter Schlagerl, Gustavo D’Ippolito und Matthias Krampe sind die übrigen exzellenten Musiker, die leicht ein ganzes Orchester ersetzen.


© Cavalli Records 2007 zum Seitenanfang