Felix Mendelssohn,

Violinkonzert d-Moll, Oktett op. 14


Il Capriccio
Friedemann Wetzel, Violine und Leitung

Hörbeispiele
Rezensionen
Werke

Bestellung:
Best.Nr. CCD 412
EAN 4028183004123

Zu diesem Titel:
Selten hat man das „kleine“ Violinkonzert von Mendelssohn so anrührend gehört wie von Friedemann Wetzel, der hier alle Freiheiten einer echten Sturm- und Drangmusik wahrnimmt. Auch beim berühmten Oktett leitet Friedemann Wetzel – erfahren als langjähriges Mitglied im Freiburger Barockorchester – sein Ensemble mit sicherer Hand durch die komplizierten Vertracktheiten dieses genialischen Jugendwerks Mendelssohns.
Werke:
Violinkonzert d-Moll
Oktett op. 14
Hörbeispiele (Windows Media):
Violinkonzert: Allegro - Andante - Allegro - Oktett: Allegro Moderato, Ma Con Fuoco - Andante

Rezensionen:
 (Erik Daumann in klassik.com 19.9.2005):

 

Historisch aufbereitet

Da hat doch irgendwer Pate gestanden. Unschwer herauszuhören, wem sich der 13jährige Felix Mendelssohn Bartholdy verpflichtet fühlte, als er 1822 sein Konzert für Violine und Streichorchester d-moll komponierte. Beethoven und der größte Anteil der späten Wiener Klassiker haben deutlich Spuren hinterlassen und mag die Beherrschung der Faktur auch von der enormen Frühreife des Knaben Felix zeugen, so lässt vor allem das drei Jahre später entstandene Oktett op. 20 für vier Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli aufmerken, zeigt es doch bereits den Mendelssohn der reifen Jahre. Beide Werke hat das Kammerorchester ‚il capriccio’ mit seinem künstlerischen Leiter Friedemann Wezel als Solist eingespielt – historisch aufbereitet, oder wie Sir Roger Norrington zu sagen pflegt: historisch informiert.

Straffe Linienführung

Denn nichts ist gleichförmiger, banaler und schlichtweg langweiliger als die aalglatte, hochglanzpolierte Wiedergabe der Instrumentalmusik Felix Mendelsohns. Das wurde uns jahrzehntelang vorexerziert. Im Grunde ist genau dieser Hochglanz- und Selbstbeweihräucherungsfetisch schuld an dem uralten Vorurteil, es gäbe in der Musik Mendelssohns keine Tiefe, alles verliefe glatt, geschmeidig, heiter. Und nun kommt dieses junge Kammerorchester daher und straft sämtliche Vorurteile Lügen. Nein, so beweisen sie, diese Musik ist ganz und gar nicht nur gefällig und schon gar nicht beliebig. Dem Klangideal alter Musik folgend, hebt ‚il capriccio’ Mendelssohns Jugendwerke auf die Folie stringenter Linienführung.

Das frühe Violinkonzert ist in dieser Einspielung nicht der vordergründig klassischen Strenge verpflichtet. Hier, wie auch im Oktett op. 20, sind es die kernige Griffigkeit der Bogenführung und die binnenspannungsreiche Transparenz, welche die Strukturen der Komposition freilegen. Balance der Faktur und ausgewogen dynamische Phrasierung gehen Hand in Hand mit der Solistenpartie, die Friedemann Wezel auf seiner Testore aus dem Jahr 1703 mit tonwarmer und doch markiger Artikulation ausfüllt. So plakativ Mendelssohns frühes Violinkonzert sich auch den Vorbildern annähert, nie gerät die Musik in dieser Aufnahme zur absolvierten Wiedergabe. Hier wird Musik gemacht, überzeugend lebendig. Vor allem das Spannungsfeld zwischen kammermusikalischer Faktur und orchestraler Konzeption wird von ‚il capriccio’ im Oktett mit ungemeiner Spielfreude ausgelotet in dynamischer Bündigkeit und bei aller Transparenz in geschlossener, aber freundlicher Dichte. Vor allem das Scherzo wird nachgerade dramatisch ausgeformt.

Die Klangschichtung ist etwas hintergründig aufgenommen worden. Mehr Vordergrund, mehr Hörbarkeit des Atmens der Instrumente wäre wünschenswert gewesen. Mendelssohn historisch aufbereitet – und vorurteilsfrei musiziert.

 

(Pizzicato 01/2003, Luxemburg, Supersonic-Auszeichnung von Remy Frank):

Es gibt Schallplatten, die aufhorchen lassen, die sich selbst von vielen anderen sehr guten dadurch unterscheiden, dass der Rezensent sagt: Halt, da geschieht etwas wirklich Unerhörtes! Etwa das intensiv Klang-malerische in dem gemeinhin so nett und bestenfalls liebevoll gespielten „kleinen“ Violinkonzert d-Moll von Felix Mendelssohn in einer Neuaufnahme durch das Ensemble „il capriccio“ unter der Leitung und mit dem Geiger Friedemann Wezel. Wer hat je soviel Phantastik in diesem Stück gehört, dunkles Rauschen, dämonisches Grollen unter bezirzend klarem und reinen Geigen-klang? Wo wurden die Anklänge an Zigeunermusik im letzten Satz so deutlich?
Einen Mendelssohn in unheimlicher Maske, spannungsvoll knisternd, erleben wir auch im ersten Satz des Oktetts, während ich mir das zwar spannende Scherzo in diesem Sinne noch spukhafter gewünscht hätte. Grandios wiederum die Kraft des Finalsatzes, der uns einem ungeheuren musikalischen Sog aussetzt.
Ein Wort zu den Musikern: Das Kammerorchester „il capriccio“ wurde 1998 von einer Gruppe junger Streicher gegründet, die zwar modernes Instrumentarium benutzen, sich aber am Klangideal Alter Musik orientieren. Vor allem zeichnet sich ihr Musizieren durch viel Spielfreude aus.


© Cavalli Records 2005 zum Seitenanfang