Aus der Hörbuchreihe

"bitte OHRlesen":

Edition III 2005

Single-CD

CCD 906

 

E. T. A. Hoffmann (1776-1822)

„Die heiligen drei Könige“

(Erzählung)

Hörbeispiele
Rezensionen
Werke
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Best.Nr. CCD 906
ISBN 3-9810205-5-3


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Zu diesem Titel:

Ein „echter Hoffmann“ – und auch wieder nicht! Ein Weihnachtstitel – und doch keine Weihnachtsgeschichte! Eine absolute Rarität! ...denn die Bamberger machen gern ein Späßchen, wenn sie einen finden, der dümmer ist als sie... Der Schauspieler und Rezitator Martin Neubauer tritt mit musikalisch-literarischen Programmen im gesamten deutschen Sprachraum auf. Er leitet das Brentano-Theater in Bamberg, mehrere CD-Aufnahmen liegen vor.

Werke:
1 Die Vorgeschichte

2 Die Erzählung „Die heiligen drei Könige“

3 Zugabe: Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Szene Hoffmann und Devrient im

Weinhaus von Lutter und Wegner in Berlin

Zwischenmusik aus der Sonate cis-Moll für Hammerklavier von

E. T. A. Hoffmann

Hörbeispiele (mp3):

1 Die Vorgeschichte

2 Die Erzählung „Die heiligen drei Könige“

3 Zugabe: Otto Julius Bierbaum (1865-1910) : Szene Hoffmann und Devrient im Weinhaus von Lutter und Wegner in Berlin

Rezensionen:

Winfried Schleyer im Fränkischen Tag vom 17.12.2005:

Die heiligen drei Könige in Bamberg

Eine neu entdeckte E.T.A.-Hoffmann-Story in der Mini-CD-Reihe „bitte OHRlesen“

BAMBERG. Für Überraschungen gut war die Mini-CD-Reihe  „bitte OHRlesen" vom Bamberger Label Cavalli Records im ersten Jahr ihres Bestehens. Jetzt aber dies: Ein Silberscheibchen von 8 Zentimeter Durchmesser mit der Erzählung  „Die heiligen drei Könige" von E.T.A. Hoffmann. Noch nie gehört! Und sie spielt in Bamberg, wo das Trio der Weisen aus dem Morgenland auf dem Weg nach Bethlehem doch wohl nicht durchgekommen ist!

Wie die Story geht? Ein Bamberger Weinschenk namens Balthasar denkt ans Heiraten. Seine Wahl fällt auf die schöne Rosa, Tochter von Meister Melchior, dem Küfner. Gesagt, getan, um die Hand angehalten, nach vier Wochen Hochzeit. So weit, so gut. Wäre da nicht ein gewisser Kaspar. Verrückt nach Rosa, hasst er Balthasar als  „Räuber seines Glückes". Er verdingt sich bei ihm als Kellner, um dem Objekt seiner Begierde nahe zu sein, aber auch, um Balthasar, der ihn unwissend um sein Glück betrogen hat, auf die Pelle zu rücken. Es kommt, wie es kommen muss:

Showdown im Keller. Kaspar zieht das Pistol, Balthasar die Salamiwurst...

Wie es ausgeht? Happy End, na klar. Das darf man schon verraten. Die  „Gemütsexplosion“ stellt das innere Gleichgewicht Kaspars wieder her, führt gleichsam zur Katharsis. Und ähnlich wie das Finale bei Asterix endet auch Hoffmann; nämlich mit dem Hinweis, Kaspar, Melchior und Balthasar, diese sehr weltlichen heiligen drei Könige, hätten  „noch manchem artigen Fläschchen den Hals gebrochen.“

In welcher Hoffmann-Gesamtausgabe diese Geschichte nachzulesen ist? In keiner. Denn diese Erzählung E.T.A. Hoffmanns stammt aus zweiter Hand. Von einem Ohrenzeugen, der sie aus dem Mund des poetischen Kammergerichtsrats im Berliner Weinhaus Lutter & Wegner an einem Juniabend des Jahres 1821 aufgeschnappt haben will. Aus den hinterlassenen Papieren dieses Mithörers, des Schriftstellers Rudolf von Beyer, fand sie 1924 den Weg in die Münchner Neuesten Nachrichten. Dort hat sie wiederum der Bamberger Klaus Gräbner aufgestöbert.

Martin Neubauer, Prinzipal des Bamberger Brentano-Theaters und weithin gerühmter Rezitator, liest also diese Geschichte. Gewitzt wie gewohnt, gekonnt den rechten Ton treffend und genießerisch boshafte Köstlichkeiten auskostend wie die hübsche Feststellung,  „die Bamberger machen gern ein Späßchen, wenn sie einen finden, der dümmer ist als sie.“

 „Ein echter Hoffmann – und auch wieder nicht! Ein Weihnachtstitel – und doch keine Weihnachtsgeschichte! Eine absolute Rarität!“ So steht es auf dem Cover. Und dem wäre nichts hinzuzufügen. Ausgenommen die Information, dass der eigentlichen Erzählung ihre Vorgeschichte vorgeschaltet ist, und dass es als Zugabe eine hübsche Szene gibt, in der Otto Julius Bierbaum schildert, wie Hoffmann und sein Spezi, der Schauspieler Devrient, in der erwähnten Stammkneipe nach einer Theatervorstellung  „vergorenen Getränken“ zusprechen und die melancholische Stimmung in einer Tirade Devrients wider die Rezensenten ihr Ventil findet.

Nicht zu vergessen die Zwischenmusik, beigesteuert von Egino Klepper aus Hoffmanns Sonate cis-Moll für Hammerklavier. Das Ganze dauert keine 22 Minuten und kostet gerade 5 Euro. Das Vergnügen freilich ist unbezahlbar.


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